Presseschnipsel

bisher erschienene Artikel über Josefine
und hier: RP
auch hier: WZ
und auch etwas ausführlicher: Stadt Mönchengladbach
mit Foto
Vorberichterstattung am 4. Oktober in der Rheinischen Post

Advertisements

2 Gedanken zu „Presseschnipsel

  1. Guten Tag,

    meiner Frau und mir hat die Premiere von JOSEFINE in Mönchengladbach sehr gut gefallen. Wir sind aus München angereist und sehen uns viel modernes Musiktheater an. Die kluge Verknüpfüng des Einzelnen im Verhältnis zur Masse in der szenischen und musikalischen Umsetzung, die originellen Übertitel, das war sehr interessant für uns. Leider haben wir keine Kritiken im Internet gefunden. Es wäre schön, Sie könnten hier auf dieser Seite etwas veröffentlichen.

    Alles Gute für die weitere kollektive Arbeit
    Hans Silberstein

  2. ANTWORT AUF DEN BEITRAG von F. Berninghaus zur UA der Produktion „Josefine“
    Theater Krefeld/Mönchengladbach

    Die Unterschwelle des Rezeptiven

    „Eine Nuß aufknacken ist wahrhaftig keine Kunst, deshalb wird es auch niemand wagen, ein Publikum zusammenzurufen und vor ihm, um es zu unterhalten, Nüsse knacken. Tut er es dennoch und gelingt seine Absicht, dann kann es sich eben doch nicht nur um bloßes Nüsseknacken handeln.
    Oder aber, es handelt sich um Nüsseknacken und es stellt sich heraus, dass wir über diese Kunst hinweggesehen haben, weil wir sie glatt beherrschten und dass uns dieser neue Nußknacker erst ihr eigentliches Wesen zeigt, wobei es für die Wirkung dann sogasr nützlich sein, wenn er etwas weniger tüchtig im Nüsseknacken ist als die Mehrzahl von uns.“

    “ Wer weiß, ob es nicht Musiktalente unter uns gibt; wenn es sie aber gäbe, der Charakter der Volksgenossen müsst sie noch vor ihrer Entfaltung unterdrücken.“

    (F. Kafka „Josefine, die Sängerin“)

    Wir müssen Herrn Reinighaus zunächst lobend hervorheben aus der Masse der Kulturschaffenden dieser Tage – weiss er doch in Zeiten allgemeinen Sparzwanges sich seine Arbeit doppelt vergüten zu lassen: in Ton vom Deutschlandfunk, in Schrift von der „Neuen Musikzeitung“. Andererseits auch übliche Praxis. Er macht, was viele tun – und ist doch etwas Besonderes? Josefine? Doppelte Anrechenbarkeit erhöht, wie immer es auch sei, nicht den Gehalt des Verfassten – vielmehr droht durch den Gebrauch unterschiedlicher Wahrnehmungskanäle eine geistige Verstopfung, deren Abfuhr uns angelegen sein sollte.

    Dass wir dabei zunächst auf Fragen des Geldtransfers und der Vergütung von Dienstleistungen, mithin auf den Bereich des Ökonomischen rekurrieren, muss als Antwort gelesen werden – auf die von Herrn Reininghaus nicht „subkutan“ wirkende, sondern von Anfang bis Ende des uns vorliegenden Artikels offen zur Schau gestellte Verachtung für die Tatsache, dass Künstler_innen auch dann entlohnt werden, wenn sie Dinge (in diesem Fall künstlerische Produkte) herstellen, die in seinen Augen beständig Peinlichkeitsgrenzen überschreiten.

    Von „Füllhörnern“ fabuliert da einer, der für das tatsächlich vorhandene Honorar eines Beteiligten der vom „Fonds experimentelles Musiktheater“ geförderten Produktion „Josefine“ selbst weder einen Stift geschweige denn seine Stimme vor ein Rundfunkmikrofon heben würde – zumal anhand durchschnittlicher Zahlen nicht nur einem Fachmann mithilfe der Statistiken des deutschen Bühnenverbandes klar gemacht werden kann, wie gering die geförderten Gesamtproduktionskosten einer solchen Uraufführung im Vergleich zu einer Produktion von z.B. „My fair lady“ ausfallen.
    Wir erzählen einem Fachmann wie Herrn Reihenhaus hiermit nichts Neues, sollten aber um so mehr der zart einhertönenden Stimme seines Beitrages widersprechen, die da eintröpfeln möchte, mithilfe des „Fonds Experimentelles Musiktheater“ würden sich in seinen Augen mittelmäßige Kunstproduzenten gesund stossen.
    Wir wollen ihn gerne beruhigen, indem wir den Mythos des hungernden Künstlers aus der Mottenkiste zaubern , um ihn gegen den von ihm wiederholt publizierten Mythos der fröhlich durchsubventionierten Neue-Musik-Party halten zu dürfen. Seien Sie also versichert, dass Neue Musik, d.h. diejenigen, die unter ihrem Firmenlogo arbeiten, als Randbereich des Randbereiches „Klassische Musik“ auch weiterhin weit unter Tarifniveau entlohnt werden.
    Aber Vorsicht – drehen Sie dies nicht in einer schwunglosen Volte wieder gegen diese selbst, gemäß der Devise, dass das, was dem Gourmet Reininghaus nicht gefällt auch zurecht zu darben habe!
    Zum Thema „Firmenlogo“ weiss Herr Reininghaus auch noch anderes beizutragen – nicht zuletzt die Insinuation, dass ein in Deutschland ausbezahlter Komponist doch auch bitte seinen deutschen Namen zu gebrauchen habe, der so herrlich normal klingt und nicht den lateinamerikanischen seiner Familie mütterlicherseits.
    Der Komponist wurde übrigens in Paraguay geboren.
    Frei nach „Josefine“ müsste man da schon fragen: Masse und Rasse, Herr Reininghaus? Oder Rasse und Klasse?

    Glücklicherweise spielt all das für die Beteiligten nun keine Rolle. Denn auch wenn die so unkulinarisch angewandte Klinge der Ironie in Herrn Reininghaus‘ Artikel das Junggemüse der Theatermacher gerne in kleine Würfel verarbeiten möchte – diese Theatermacher haben wohl mehr anvisiert als die Durchführung eines „aufgeblasenen Konzeptes“.
    Der „Konzeptionalismus“-Vorwurf an Produktionen neuen Musiktheaters ist zwar einer der ältesten Pappkameraden zum Draufhauen, aber – und das weiss auch Herr Reininghaus als Virtuose der Zerrüttung – zeitlos wirkungsvoll, wenn es darum geht, die eigene Gelangweiltheit oder „Regression des Hörens oder Denkens“ anderen zuschreiben zu können.
    Wollen wir uns gemeinsam kurz erinnern: für eine Regression des Hörens, Sehens und Denkens kennzeichnend ist, dass derjenige, der vor sich hin regridiert, lauthals betont, dass das, was da zu hören bzw, sehen bzw. denken wäre
    a) belanglos, dilletantisch
    b) unverständlich, sinnlos
    c) langweilig, peinlich
    sei.
    Wer also ist das Subjekt der Regression, lieber Herr Reininghaus?

    Lassen Sie uns rasch zum letzten Punkt, nachdem wir so Unschönes wie „Finanzökonomie“, „Konzeptionalismus“ und „Regression“ gestreift haben, fortschreiten, der Herrn Reininghaus so ernsthaftes und gut gemeintes Kopfzerbrechen bereitet: der Begriff des Experimentellen.
    Derjenige Philosoph, von dem Sie selbst so manche Formulierung bewusst oder unbewusst übernommen haben – beispielsweise die feinsinnige Nutzung des Wortes „subkutan“ und „Regression des Hörens und Denkens“ – T.W. Adorno formuliert in seiner „Philosophie der Neuen Musik“ mit Vorsicht die Möglichkeit, etwas zu tun, von dem man im Vorhinein noch nicht genau sagen kann, was es sein werde. Wir sind uns rasch einig, dass dies für Expiremnte im künstlerischen Allgemein gelten darf.
    „Nun gut!“ werden alle theatervertrauten Kenner der Materie (und mit „Materie“ ist hier die Kombination der septem Rates liberales on stage gemeint), zu denen wir Sie zählen dürfen, grunzen: “ Wenn es nun aber auf die Bühne eines Theater geht, dann zählt letzten Endes dennoch die Produktästhetik. Das heisst: in klar geregelten Arbeitsabläufen muss von vornherein festgelegt werden, was was zu sein hat, wo die Reise hingeht und wie wir das Produkt verdaubar machen.“
    Und so muss am Ende etwas stehen, dem ein Name gegeben werden kann.
    Das tun verschiedene Menschen im Vorhinein.
    Für alle, die am Ende ein „Produkt“ betrachten und dieses im Medium des Wortes umfassen wollen, hat der altehrwürdige Philosoph Adorno, wie immer man es sonst mit ihm halte, noch einen weiteren hilfreichen Vorschlag. Oder vielmehr eine Bitte, die da lautet, dass man bei „Versuchen der gesellschaftlichen Dechiffrierung des zentralen Gehaltes von Musiktheater nicht behutsam genug tasten könne.“
    Wir dürfen, so denke ich, einhellig feststellen, dass Herrn Reinghaus‘ in Wort und Ton geäußerte Ansicht den Bereich des Tastens ausspart, um gleich zur gepfefferten Ohrfeige mit anschließendem Arschtritt (für wen auch immer) übergehen zu können.

    Nun wäre dies alles, wie es im „Freischütz“ heisst, in „Güte und Liebe“ aufzulösen, ja sollte als „Verriss“ in die musiktheatralischen und emotionale Archive wandern. Wenn die Grenze des persönlichen Angriffes nicht penetrant in einer Weise angetastet würde, die dem Berufsstand von Herrn Reininghaus‘ ebenso Schaden zufügen könnte, wie in seinen Augen unser Tun der zeitgenössischen Oper schadet.
    Er mag diesen Schaden im Rahmen der öffentlichen (durchsubventionierten!)Medien als gute demokratische Notwendigkeit anrichten, vielmehr, er muss dies tun dürfen.
    Damit aber verkauft er ein Publikum für dumm, dass ein Team junger und zugleich erfahrener Theatermacher – gemeint sind das Regie/Musikteam im Verein mit den Kräften eines institutionalisierten Theaterbetriebes – hereinzuholen versucht in eine theatrale Erfahrung. Eine ungewisse, mit offenem Ausgang, mit vielleicht fragwürdigen, aber nichtsdestotrotz – und da mag der bourgeoise Bock noch so blöcken – sinnlichen, theatralen Mitteln; eine Erfahrung, die grundsätzlich die Frage nach der Möglichkeit der Verbindung von „Experiment“ und „Stadttheater“ fragen lassen kann; eine Erfahrung, von der wir und unser Publikum annehmen können, dass sie mehr verdiene als 5 Minuten oder 6 Spalten eine Rezipientenironie, die genau das ist, was sie dem beschriebenen Gegenstande vorwirft: erschreckend altmodisch.
    Indem Herr Reininghaus dieses Publikum für dumm verkauft, verkauft er die Beteiligten der Produktion „Josefine“ für dumm – ein Publikum, dass sich als normaler Mensch den Theaterraum erobert hat und eine Poetik des Alltags mitbringt, die wahrlich nur im Namen einer „Regression des Hörens und Sehens“ geopftert werden dürfte.
    Aber wer, Herr Reininghaus, regridierte hier doch gleich?
    Man muss sich, Herr Reininghaus, – und damit komme ich auf den Anfang zurück, auf ein in jeglicher Hinsicht (emotional/intellektuell usw.usw) ökonomisches Verständnis von Kunst und Kultur, das vielleicht ihrem Alter oder Herkunft zugeschrieben werden kann (?!) – man muss sich Ihre Kritik leisten können.
    Diese Antwort haben Sie sich wahrlich hart erarbeitet.

    Lennart Dohms


    http://www.elperroandaluz.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s